Wohnhaus im Brixental

Zeitgenössische Transformation alpiner Bautradition

Das Konzept: Identität und Symbiose


Die architektonische Kernaufgabe dieses Neubaus im Brixental bestand darin, ein anspruchsvolles, modernes Wohnhaus zu realisieren, das sich sensibel in das gewachsene Ortsbild einfügt. Statt mit der Umgebung zu brechen, adaptiert der Entwurf die Tradition des Tiroler Giebelhauses und verbindet regionale Handwerkskunst mit zeitgemäßer Baueffizienz. Es entstand ein harmonisches Ensemble aus drei Baukörpern – Haupthaus, Gästehaus und Carport –, das sich fließend in die Topografie des Hanggrundstücks integriert. Durch die präzise Platzierung verfügt jede der insgesamt vier Etagen über einen schwellenlosen, ebenerdigen Austritt.

Die Architektur: Vertraut und doch progressiv

Das markanteste Gestaltungsmerkmal ist die Neuinterpretation der Dachlandschaft. Die im exklusiven Wohnbau oft dominierenden Flachdächer wurden bewusst durch eine Satteldach-Konstruktion ersetzt. Um das Hauptgebäude jedoch maximal zur Bergseite hin zu öffnen, verschmilzt das Satteldach im rückwärtigen Bereich mit einem Pultdach. Diese faltdachartige Konstruktion avanciert zur unverkennbaren Signatur des Projekts: den umliegenden Gebäuden formal verwandt, in der Ausführung jedoch eigenständig und modern. Zur Talseite hin öffnet sich der trapezförmige Grundriss und inszeniert über eine 14 Meter breite, pfostenlose Panoramafensterfront einen unverstellten Rundumblick auf die Kitzbüheler Alpen.

Der Innenraum: Visuelle Dynamik und flexible Hülle


Im Interieur zeichnen die ansteigenden Dachschrägen die Geometrie der Konstruktion nach und schaffen eine beeindruckende Raumhöhe von bis zu vier Metern. Der loftartige Innenraum ist als „weiße Hülle“ konzipiert – ein lichtdurchfluteter, flexibel bespielbarer Raum. Das funktionale Rückgrat des Hauses bildet ein zentraler Treppenkern aus einläufigen Holzstiegen, die der natürlichen Hangneigung folgen. Ein großzügiges, bündig im Garten eingelassenes Oberlicht flutet zudem das Untergeschoss und den Garagenzugang mit natürlichem Tageslicht, von wo aus ein Aufzug und eine breite Treppe die Wohnebenen barrierefrei verbinden.

Material und Handwerk: Regionale Wertschöpfung

Die Materialität konsequent nachhaltig: Die Fassade besteht aus unbehandeltem Lärchenholz, das im Laufe der Jahre eine natürliche Patina ansetzen wird. Um die lokale Baukultur zu stärken, wurden die Holzwandelemente inklusive der Fenster von einem regionalen Holzbauunternehmen vorgefertigt und präzise auf dem Betonsockel montiert – traditionelle Holzbeuge für das Brennholz inklusive. Einen bewussten Kontrast bildet das vorgelagerte Gästehaus: Als Hommage an die klassische Berghütte wurden die drei Kammern komplett mit wohltuendem Zirbenholz ausgekleidet. Gerahmt wird das gesamte Anwesen von einem original Tiroler Schrägzaun – einer robusten, kunstvoll verschränkten Holzstecken-Technik, die ein fast vergessenes Handwerk der Region neu belebt.

Credits:

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