Revitalisierung eines historischen kaiserlichen Postamtes

Denkmalschutz trifft moderne Medizinarchitektur

Fassadenansicht des historischen kaiserlichen Postamtes Stollberg

Das Konzept: Denkmalschutz trifft moderne Medizinarchitektur

Das medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Stolberg hat eine geschichtsträchtige Adresse bezogen: Es befindet sich am historischen Platz der Stadt im ehemaligen kaiserlichen Postamt. Der imposante Bau aus dem Jahr 1890 galt bis 2005 als das älteste Postgebäude des Kreises Aachen. Die planerische Herausforderung bestand darin, das denkmalgeschützte Gebäude durch eine umfassende Kernsanierung und Nutzungsänderung in ein modernes, hocheffizientes Ärztehaus zu transformieren, ohne den historischen Charakter zu schmälern.

Die Fassade: Behutsamer Rückbau und historische Rekonstruktion

Die Sanierung der Gebäudehülle folgte strengen denkmalpflegerischen Richtlinien. Die Fassaden wurden mit neuen Fenstern ausgestattet, die durch ihre denkmalgerechten Profile und die ursprüngliche Aufteilung das historische Erscheinungsbild wiederbeleben. Auf der Rückseite des Gebäudes wurden störende, nachträgliche Veränderungen – wie eine alte Verladerampe und unproportioniert veränderte Fenstergrößen – konsequent zurückgebaut. Ein hofseitiger, eingeschossiger Flachdachanbau aus den 1960er-Jahren blieb hingegen erhalten und wurde durch einen modernen Neubau erweitert. In diesem geschützten Trakt sind heute die hochspezialisierten endoskopischen Behandlungsräume samt Nebenräumen untergebracht.

Erschließung und Raumstruktur: Barrierefreiheit und Transparenz


Um den Anforderungen eines zeitgemäßen MVZ gerecht zu werden, wurde ein neuer Aufzug integriert. Dieser verbindet alle Geschosse barrierefrei und gewährleistet Patienten und Personal einen komfortablen, behindertengerechten Zugang. Ergänzend zum historischen, originalen Treppenhaus wurde ein zweiter, offener Treppenraum realisiert. Er befindet sich in strategisch optimaler Nähe zum Empfang und sorgt für eine kurze, intuitive vertikale Erschließung der beiden primären Behandlungsetagen.
Die historische Tragstruktur des Gebäudes erwies sich als funktionaler Vorteil: Zwei längs verlaufende, breite Mittelwände teilen die Geschossflächen in einen repräsentativen Flur und zweibündig angeordnete Praxisräume auf. Diese Struktur blieb vollständig erhalten. Im Entree, am Empfang sowie in den Wartebereichen lösen großzügige Glaselemente die massiven Trennungen optisch auf. Sie sorgen für maximale Transparenz, optimalen Tageslichteinfall und eine beruhigende, einladende Atmosphäre.

Das Interieur: Reduziertes Design und ein klares Farbkonzept

Die Innenraumgestaltung setzt auf visuelle Ruhe und präzise Akzente. Wände und maßgefertigte Einbauschränke sind in reinem Weiß gehalten, um die Räume hell und weitläufig wirken zu lassen. Im Erdgeschoss erhielten die hochfrequentierten Allgemeinbereiche einen robusten, anthrazitfarbenen Steinboden.
Einen bewussten und charakterstarken Kontrast bildet das durchgängige Farbkonzept: Die übrigen Praxisböden sind mit einem intensiv roten Linoleumboden ausgelegt. Dieser markante Ton bildet das visuelle Leitmotiv des Hauses. Als einzige und identitätsstiftende Kontrastfarbe wiederholt er sich konsequent in den Sanitärbereichen und verleiht dem medizinischen Versorgungszentrum eine moderne, unverwechselbare Identität.

Credits:

Fotografie von:

Unter Mitarbeit von:

  • Jens Quellmalz
  • Heinz-Joachim Reykers